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Zusammenhänge zwischen Oberflächenbeschichtung und Raumklima

Einwirkungen

Unsere Häuser und Wohnräume sind ständigen Immissionen durch die Umwelt und Baustoffe ausgesetzt. Der Mensch selbst erzeugt durch Stoffwechselvorgänge von ihm sowie seinen Tätigkeiten Emissionen in die umgebenden Räume. Diese Vorgänge wirken sich massgeblich auf das Raumklima und die Behaglichkeit der Bewohner aus.

Das Raumklima

Das Raumklima ist das Klima, das in gebauten Räumen herrscht.

Es soll den Bedürfnissen der Nutzern dieser Räume genügen. Es sollte ein nutzungsgerechtes Klima herrschen, damit sich die Raumnutzer wohlfühlen können.

Das Empfinden des Raumklimas ist bei Menschen unterschiedlich ausgeprägt. Einen Einfluss hat die Stoffwechselrate des jeweiligen Menschen in Abhängigkeit von der körperlichen Tätigkeit.

Feuchteproduktion des Menschen

Die Feuchtigkeitsabgabe eines Menschen bei leichter Tätigkeit liegt bei ca. 30–60 g / h.

Das Innenraumklima wird somit zu einem grossen Teil durch das Nutzungsverhalten der Bewohner mitbeeinflusst, durch diese dauernde Abgabe von Feuchtigkeit in Form von Wasserdampf an die Raumluft unter anderem durch die tägliche Produktion von Feuchtigkeit.

Diese Feuchtigkeit wird unter anderem durch die Raumluft aufgenommen. Je höher die Raumtemperatur der Luft ist, desto grösser ist die mögliche Aufnahme von Feuchtigkeit in die Raumluft (relative Luftfeuchtigkeit).

Bevor die Raumluft jedoch übersättigt ist und es zum Kondensatausfall an Oberflächen kommt, was zu Feuchteschäden wie Schimmelpilzbefall führen kann, sollte die Feuchtigkeit aus den Räumlichkeiten abtransportiert werden. Dies geschieht im Normalfall durch richtiges Lüften.

Sorption und der Feuchtehaushalt

Was ist Sorption? Sorption ist die selektive Aufnahme eines Gases oder gelösten Stoffes durch einen porösen festen oder einen flüssigen Stoff. Sorptionsfähige Oberflächen können somit Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen und sie bei entsprechendem Lüften wieder an die Raumluft abgeben. Dadurch nimmt die Luftfeuchte in einem Raum nicht in dem Masse zu, wie dies ohne sorptionsfähige Oberflächen der Fall wäre. Bei der Auffeuchtung wirkt das Sorbtionsverhalten wie ein grösserer Luftwechsel, weil zusätzlich Feuchte in den oberflächennahen Schichten gespeichert wird. Die Zeitspanne, in der z. B. in den Morgenstunden in einem Schlafzimmer die Feuchte an der Oberfläche kritisch werden kann, wird dadurch kürzer, weil die Oberflächen speicherfähig sind.

Beim Stosslüften kehrt sich allerdings die positive Wirkung der speicherfähigen Baustoffe ins Negative: Jetzt wirkt die Sorptionsfähigkeit wie eine Verringerung des Luftwechsels, weil sie die Feuchte zurückhält. Dadurch wird am Ende einer kurzzeitigen Stosslüftung immer noch Feuchte in den oberflächennahen Bauteilschichten zurückgehalten. Während die Oberflächen beim Auffeuchten viel Zeit haben, die Feuchtigkeit aufzunehmen, wirkt die Stosslüftung viel zu langsam, als dass sich der Feuchtespeicher entleeren könnte.

Deshalb ist neben der kurzen Stosslüftung auch die Infiltrationsrate wichtig, weil die Feuchteabgabe der Oberflächen langsam ist.

Wahl der Baumaterialien

Somit ist die Wahl der Baustoffe für das Raumklima von grosser Bedeutung:

Anders als handelsübliche Kunststoffbeschichtungen mit chemischen Zusätzen sind mineralische Putze und Bindemittel auf Kalkbasis sowie Lehmputzte frei von Chemikalien und Kunststoffen. Diese Baustoffe sind dank des hohem pH Wertes eine schlechte Basis für Schimmelpilze und sind sorptionsfähig. Weiter binden natürliche Baustoffe Gerüche, wirken antiseptisch und sind frei von Weichmachern und Lösungsmittel.

Zusammenfassung

Das Raumklima in den eigenen vier Wänden lässt sich durch den Einsatz natürlicher Putze und Wandbeschichtungen gezielt verbessern. Mitentscheidend ist hierbei das so genannte Sorptionsverhalten der verwendeten Baustoffe, welche die Fähigkeit besitzen, Feuchtigkeit im Raum, die durch Duschen, Kochen oder ähnliches freigesetzt werden, zwischenspeichern zu können und wieder an die Raumluft abzugeben.

Wichtig ist, dass solche sorptionsfähige Verputzsysteme nicht mit Tapeten, Dispersionsfarben und sonstigen diffusionsdichten Beschichtungen versiegelt werden.

Martin Gafner, dipl.Bauingenieur, zertifizierter Baugutachter. Thun

Erstmals erschienen im Schlüssel 2 | 2017.